DANKBARKEIT

GRATITUDE  कृतज्ञता  kṛtajñatā (Sanskrit)

Mai ist der Monat, in welchem am Muttertag den Müttern gedankt wird. Falls wir uns das Jahr über nie an die Praxis von Dankbarkeit erinnert haben sollten, dann tut es dieser Tag: Er erinnert uns an eine der wichtigsten Tugenden auf dem Yogaweg, oder überhaupt in einem spirituell ausgerichteten Leben. Die Kultivierung von Dankbarkeit ist ein Schlüssel für Zufriedenheit, Freude und Liebe im Leben. Der zeitgenössische, spirituelle Lehrer Mooji fügt noch an: „Vergiss nicht, dass dankbar zu sein für Deine Existenz ein solcher Bodyguard gegen Arroganz ist.“ Unsere Welt braucht Dankbarkeit!

Die Übersetzung des Sanskritwortes kṛtajñatā zeigt uns dies ebenfalls auf: Die Silbe „krta“ bedeutet „kultiviert“ und die Silbe „jna“ weist auf einen bestimmten Bewusstseinszustand hin. Wenn wir unseren Blick also bewusst immer wieder auf das richten, was wir vom Leben schon alles geschenkt bekommen haben, was funktioniert und was im Fluss ist, sowie den Menschen um uns herum Anerkennung geben für das was sie uns bedeuten oder was sie Gutes getan haben, dann wirkt diese Energie der Dankbarkeit sogar wie ein Magnet, das noch mehr desselben anzieht. Wir generieren eine Atmosphäre der Fülle in uns und um uns herum – im Gegensatz zu vergiftendem Mangelbewusstsein.

Swami Sivananda sagte darüber: „Dankbarkeit ist die edelste Tugend, sie ist das höchste Kapital aller Pflichten. Es ist sehr viel mehr als ein mündlicher Ausdruck des Dankes. Es ist ein Zeichen eines erhabenen Charakters.“

Durch die Praxis von Yoga-Asanas, Pranayama und Meditation schaffen wir in uns den Nährboden, auf dem die von den grossen Yogameistern beschriebenen Tugenden wachsen können und wir somit durch unser Sein und Handeln in der Welt zu mehr Fülle und Liebe beitragen. Nach der Yogapraxis ist es besonders leicht, Zugang zu diesem Gefühl der Wertschätzung, Anerkennung und Dankbarkeit zu bekommen, weil der kritisierende Geist durch die Übungen ruhiger geworden ist. Wir sind mit den Qualitäten des Herzens verbunden, wovon Dankbarkeit eine ist. Es ist dann, als würde alles einen besonderen Glanz bekommen, der vorher nicht da war. Dies ist, wenn wir mit den Augen der Liebe schauen.

Vielleicht möchtest Du nun im Monat Mai anfangen, daraus eine tägliche Praxis zu machen – und nicht nur am Muttertag Anerkennung offerieren. Du wirst merken, dass Du dadurch Deinen inneren Garten zum Blühen bringst und mehr Zufriedenheit, Freude und Liebe in Dir und in Deinem Leben spüren wirst, ohne dass Du im äusserlich etwas verändert hast. Mit dieser Praxis hast Du bloss die Sichtweise auf Dein Leben etwas modifiziert – doch das kann Wunder bewirken!

Ich danke Dir für Deine Offenheit, die Philosophie des Yoga in weitere, wenn nicht alle Bereiche Deines Lebens zu bringen – denn dort zeigt sich schliesslich, ob wir Yoga wirklich als Lebenshaltung oder nur als Sport praktizieren – und wünsche Dir und der ganzen ATHAYOGA-Community ganz viel frühlingshaftes Erblühen dieser wunderbaren Qualität des Herzens.

Bettina Keller

ATHAYOGA Inspiration of the Month | Mai 2016

www.athayoga.ch